Ein Tag im Leben eines VC

KMR: Ein VC hat vielleicht 5 Investments, die er betreut. Was macht er eigentlich neben der Betreuung den ganzen Tag über? 

SK: Die Betreuung von 5 Investments ist eigentlich schon ziemlich Arbeit, wenn du es richtig machen willst. Wenn du nur ½ Tag pro Woche pro Investment rechnest, bleiben nur mehr 2,5 Tage für neue Deals, irgendwelche Konferenzen und interne Themen und Sitzungen. 

KMR: Aber so viele neue Deals werden doch gar nicht abgeschlossen…

SK: Bedeutet trotzdem Arbeit. Ich versuche auch, viel mit Gründern zu reden, weil es hoffentlich ab und zu hilft und für mich sehr interessant ist (hier muss ich nochmals für den OpenCoffeeClub werben). Außerdem: Letztes Jahr habe ich mich wahrscheinlich über 10 Wochen sehr intensiv mit Due Diligence zu einem einzigen Deal beschäftigt, ist aber leider nichts geworden. 

KMR: Warum nicht? 

SK: In dem konkreten Fall ist das Konsortium nicht zustande gekommen. 

KMR: Konsortium? Also mehrere VCs, die sich zusammenschliessen, weil sie allein zu risikoavers sind? 

SK: Weil sie alleine zuwenig Geld haben, weil die Gründer soviel ausgeben… Es gibt halt Fälle wo der Kapitalbedarf weit über 10M EUR liegt und mehrere Investoren Sinn machen. Davon abgesehen, ist es oft für die Firma auch gut, von zwei Netzwerken zu profitieren (aber komm jetzt bitte nicht wieder mit der Mehrwert Diskussion)! 

KMR: Du erwähntest auch „irgendwelche Konferenzen“ – es gibt ja eine Art Konferenztourismus – bringt es eigentlich wirklich etwas, auf all diesen Events anwesend zu sein oder ist es eher eine Art Nabelschau? 

SK: Es ist eine Art Nabelschau, die aber auch was bringt. Networking. 

KMR: Geschenkt ;-) . Und dann bleiben noch die von Dir genannten internen Themen – was kann ich darunter verstehen? 

SK: Z.B. gibt es bei fast allen VCs das Montags-Dealmeeting in dem alle Beteiligten über aktuelle Investitionsmöglichkeiten und Themen bei Portfolio-Firmen diskutieren. Und dann gibt es halt auch administrative Tätigkeiten, das wird ja bei Entrepreneurs nicht anders sein? 

KMR: Leider nein – dazu dann mehr beim nächsten Mal! 

VC Investitionsprozesse dauern lang

KMR: Warum sind eigentlich VCs so langsam? Will heissen: warum dauern die meisten Investitionsprozesse mehrere Monate, obwohl fast immer gesagt wird, dass man in ein paar Wochen mit der Finanzierung „durch“ sei?

SK: Zwei Punkte: zum einen ist es tatsächlich ein unglaublich schlechtes Verhalten, die Gründer anzulügen und vorzugeben, der Prozess sei vom ersten Meeting bis zum Abschluss innerhalb von 2-3 Wochen durchlaufbar. Zum zweiten gibt es aus meiner Sicht folgende Gründe, dass die typische Dauer grösser als zwei Monate ist:

  • Es ist viel Aufwand, ein potentielles Investment eingehend zu prüfen
  • Es gibt zu wenig Wettbewerb unter den VCs und damit kaum Investitionsdruck
  • Bei einigen institutionellen VCs gibt es bürokratische Hürden, wie beispielsweise Investment-Gremien (Ein Tip an Gründer: VCs ohne Investment Gremien haben deutliche Vorteile)

KMR: Mein Eindruck ist, dass die VCs nicht unbedingt absichtlich lügen, sondern dass sie den eigenen hohen Erwartungsanspruch in der Realität bisweilen nicht matchen können….

SK: …Lügen ist natürlich sehr drastisch formuliert. Aber 2-3 Wochen sind bei institutionellen VCs einfach nicht realistisch. Übrigens: ich glaube auch immer, dass alles schneller geht – das ist wohl menschlich.

KMR: Das Problem in der Kommunikation zwischen Gründer und VC besteht auch nicht unbedingt in längeren Investitionszeiträumen, sondern eher in unrealistischen Erwartungen, die geweckt werden. Wenn ich als Gründer gesagt bekomme: „Du kannst in ein paar Wochen mit dem Geld starten!“ und der Prozess zieht sich aber über 3-4 Monate, dann weiss ich nicht, wo ich den Aussagen des VC Glauben schenken kann.

SK: Mit welchen VCs sprichst Du denn? Ein gewisser Unterschied zwischen den Aussagen und dem tatsächlichen Zeitraum ist verständlich – vielleicht versucht sich auch jeder VC als Schnellster zu positionieren.

KMR: Ja – was der Gründer, der sich zum ersten Mal in einem VC-Gespräch befindet, lernen muss, ist eben genau das: jeder verkauft sich möglichst gut, und die Realität weicht wahrscheinlich von der Vorhersage ab.

SK: Richtig – und damit kommen wir zum zweiten Tipp des Tages: Informieren, mit anderen Gründern sprechen, und die VCs mit kritischen Fragen challengen.

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