KMR: Seit Ende der 90er Jahre spielt Venture Capital auch in Deutschland eine Rolle: Risikokapitalgeber investieren in vielversprechende (?) Geschäftskonzepte und deren Gründer. Während es in der ersten VC-Welle “einfach” war, an Geld zu kommen, präsentierten Gründer in den Jahren 2001-2005 nahezu umsonst. Seit 2006 haben VCs wieder ein offenes Ohr und für so manchen Gründer haben sich die vielen Pitches gelohnt; siehe die jüngsten Beispiele studiVZ und Sevenload. Haben wir daher einen durch VCs unterstützten Gründerboom in Deutschland oder halten wir uns lediglich an den in der Presse immer wieder genannten Vorzeige-Beispielen auf?
SK: Also, ich glaube, man muss zunächst einige Sachen klarstellen: die Anforderungen an Gründer waren in den Jahren bis 2000 viel zu niedrig: „In a hurricane even pigs can fly!“. Irgendwie scheint sich die Meinung festgesetzt zu haben, dass so der Standard sein sollte. VCs haben natürlich als Ziel, Gründern und deren Firmen zu helfen. Auf der anderen Seite besteht die primäre Verantwortung den Fonds-Investoren gegenüber. Wir müssen Geld verdienen!
KMR: Niemand bestreitet, dass auch VCs Geld verdienen müssen. Aber wir unterhalten uns ja gerade über die Art und Weise, wie das Geld verdient wird. Während in der ersten Boomphase viele VCs den Startups geradezu hinterhergelaufen sind, haben sie das umgekehrte Extrem in den Jahren darauf exerziert: sie haben sich geziert, überhaupt zu investieren! Irgendwo dazwischen muss aber doch die gesunde Mitte liegen.
SK: Grundsätzlich gebe ich Dir Recht. VCs müssen aber nicht „auch“ Geld verdienen, sondern das ist das einzige Ziel. Du musst sehen, dass Venture Capital als Asset-Klasse kein Geld verdient (siehe: Don Dodge). Übrigens, keiner verlangt, dass alle Firmen ein Erfolg werden! Man rechnet ja mit 30% Totalverlusten. Wenn die 30% dramatisch überschritten werden, wird es halt schwierig. Wenn man hört, dass es über 200 VC-finanzierte Youtube-Klone gibt, wie soll das funktionieren?
KMR: Willst Du damit sagen, Web 2.0 ist eine Blase?
SK: Ja.
KMR: Dann könnten wir an dieser Stelle das Gespräch abbrechen. Aber als Unternehmer gebe ich natürlich nicht auf
. Nehmen wir doch Web 2.0. Wenn wir uns darauf einigen können, darunter den Bereich des “user generated content” zu verstehen, sprechen wir doch von einer bisher nicht dagewesenen Möglichlichkeit, Internetnutzer zu aktivieren und dabei die inkrementellen Kosten einer Website minimal zu halten. Dass es einige schwarze Schafe gibt, die mit “Billig-Mashup-Konzepten” daherkommen, bedeutet ja nicht, dass der ganze Bereich als Blase zu bewerten ist!
SK: Es ist wohl eine philosophische Diskussion, was eine Blase ist. Ich finde die neuen Webmodelle geil. Nichtsdestotrotz sind viele aus ökonomischer Sicht nicht nachhaltig. Wenn mir einer ein skalierbares und profitables Geschäftsmodell bringt, finde ich das extrem attraktiv. Mir ist dann auch egal, ob eine Blase platzt – eine solche Firma wird überleben.
KMR: Ist es Deiner Meinung nach - im Vergleich mit 2000 – einfach oder schwer, an Venture Capital zu kommen?
SK: Schwer. Aber es ist auch kein Selbstzweck, an Venture Capital zu kommen, sondern damit eine erfolgreiche Firma aufzubauen.